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Roggensorten mit hellen Körnern waren in Mitteleuropa früher häufiger anzutreffen. Mit Beginn der neuzeitlichen Roggenzüchtung wurden aber die grau-grünen Kornfarben bevorzugt und verdrängten die hellkörnigen Sorten. Mit dem in der Getreidezüchtungsforschung Darzau entwickelten Lichtkornroggen® ist nun wieder eine Populationssorte mit hellem Korn für den ökologischen Landbau vorhanden, deren Helligkeit, Lichtfülle und Glanz auch im Frühjahrswachstum und in der Strohfärbung beobachtet werden kann. Eine Besonderheit stellt die von Lichtkornroggenkörnern vermittelte Bildekräftekonfiguration dar, die dieser Sorte einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Die Sorte ermöglicht lockere Brote mit einem angenehm milden Brotgeschmack. Es sind deutlich hellere Brote möglich, als man sie sonst von Roggen gewohnt ist. Letztendlich hängt es aber auch vom Bäcker ab, was er aus Lichtkornroggenmehl hervorzuzaubern vermag.
Für die Verarbeitung des Roggens zu Brot ist es wichtig die Enzymaktivität der Amylasen (das sind die Stärke abbauenden Enzyme) mittels des Viskositätsgrades der Stärke indirekt zu bestimmen. Insbesondere feuchte Witterung während der Samenbildung und Samenreife führen zu einem Stärkeabbau aufgrund hoher Enzymaktivitäten. Daneben gibt es aber auch erblich unterschiedlich veranlagte Intensitätsgrade im Stärkeabbau, die eine Selektion auf geringere Enzymaktivität mittels Analyse der Verkleisterungseigenschaften ermöglichen (die Zeit bis zum Eintreten des Verkleisterungsmaximums sollte nicht zu kurz sein). Lichtkornroggen erreicht im Vergleich mit anderen Roggensorten ein mittleres Niveau bei den Fallzahlen.

Lichtkornroggen® ist ursprünglich hervorgegangen aus:
1/3 Schmidt-Roggen der Linie Irion 1988/406,
1/3 Hack-Roggen des Anbaus in Wagenstatt 1988 (ein langjährig biologisch-dynamisch angebauter Roggen aus ehemals Petkuser Nomaro mit wechselvoller Geschichte),
1/3 Danko, Halo, Kustro, Carokurz und EHO-Kurz aus dem Sortenversuchsanbau in Tangsehl 1989-1992.

Seit 1989 wurden Einzelähren- und Einzelpflanzenauslesen (jährlich schwankend mit 100 bis 500 Nachkommenschaften, in den letzten Jahren mit konstant ca. 160) unter offener Bestäubung im Wechsel von winternahem und sommernahem Anbau auf leichten bis mittleren Böden unter biologisch-dynamischer Bewirtschaftung auf Betrieben in und um Darzau kontinuierlich angebaut.

Lichtkornroggen® wird als offenbestäubende Population über Mutterstammbaumselektion erhalten und weiterentwickelt.

Mehr zum Werdegang von Lichtkornroggen®, wenn Sie diesem Link folgen.

Saatgut
Zur Aussaat sind je nach Korngewicht und Keimfähigkeit ca. 100kg/ha erforderlich.
Ökologisch erzeugtes Saatgut von Lichtkornroggen® ist über Öko-Korn-Nord wV in Betzendorf bei Lüneburg erhältlich (Fon: +49-4138-5106-14, Fax: -20). Bitte wundern Sie sich (nicht), wenn auf dem Saatgutetikett "LiKoRo" und die BSA-Kenn-Nr. RW1148 vermerkt ist, da das BSA die Eintragung der Sorte unter der geschützen Markenbezeichnung Lichtkornroggen verweigert hat. Dieser Bezeichnungszwang trifft aber nur den Saatguthandel. Wenn "Lichtkornroggen" auf den Lieferscheinen vom Erhaltungszüchter bis zum Verarbeiter zu finden ist, darf der Name weiterhin verwendet werden (eine ökologische Erzeugung ist dafür allerdings unverzichtbar). Die Zulassung als Erhaltungssorte erfolgte am 23.9.2011. Seither kann mit dem in Darzau erzeugten Züchtersaatgut aus der Erhaltungszüchtung bundesweit ökologisches Handelssaatgut von Lichtkornroggen erzeugt werden.

Biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte
Bei Demeter-Erzeugnissen unter Verwendung von Lichtkornroggen darf darauf hingewiesen werden, dass es sich bei Lichtkornroggen um eine "biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte" handelt. Dies wurde Lichtkornroggen als erster Getreidesorte überhaupt mit Datum vom 10.Februar 2010 von Demeter bescheinigt.
Mehr zur Zertifizierung biologisch-dynamisch gezüchteter Sorten unter www.abdp.org.

Sortenversuche mit Lichtkornroggen

Vegetation 2011/12

Futterkamp/Schleswig-Holstein
Osnabrück (Wallenhorst)/Niedersachsen
Hamerstorf (Natendorf)/Niedersachsen
Gülzow/Mecklenburg-Vorpommern
Tützpatz/Mecklenburg-Vorpommern
Güterfelde/Brandenburg
Halle-Lettin/Sachsen-Anhalt
Dottenfelderhof/Hessen
Westpfalz/Rheinland-Pfalz
Simmern/Rheinland-Pfalz
Ilshofen/Baden-Württemberg
Kleinhohenheim/Baden-Württemberg
Karlsruhe-Durlach/Baden-Württemberg
Sigmaringen/Baden-Württemberg
Salem/Baden-Württemberg
Hohenkammer/Bayern
Neuhof/Bayern
Luxemburg/Ettelbrück


Vegetation 2010/11

Rheinland-Pfalz: Westpfalz und Simmern
Baden-Württemberg: Ilshofen, Kleinhohenheim, Karlsruhe-Durlach
Bayern: Landshut-Schönbrunn
Luxemburg/Ettelbrück

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Zuletzt aktualisiert : 04.10.2011