Qualitätsweizenzüchtung

Auf den sandigen und trockengefährdeten Böden in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – diese Standorte und Regionen hat die Getreidezüchtungsforschung Darzau bei Weizen vor allem im Blick - ist es nach wie vor eine Herausforderung unter ökologischen Bedingungen Winterweizen mit den verarbeitungstechnisch erforderlichen Qualitäten zu erzeugen. Auf diesen nicht-typischen Weizenstandorten ist es bspw. nicht leicht, mit einiger Sicherheit, die für die Weiterverarbeitung notwendigen hohen Feuchtklebergehalte bei einem zufriedenstellenden Ertrag zu erzeugen. Der Weizentyp für diese Region unterscheidet sich vom gängigen Weizenbild. Besondere Anforderungen müssen erfüllt werden: es müssen frohwüchsige Weizensorten sein, die bei der notwendigen Standfestigkeit fähig sind, mit den knappen Nährstoffvorräten ausreichende Qualitäten und Erträge zu liefern.

Mit der Entwicklung von neuen angepassten Sorten sind aber auch noch ganz andere Fragen verbunden. So zum Beispiel, wie diese Sorten, die ausschließlich unter ökologischen Bedingungen entwickelt wurden, überhaupt in den großflächigen Anbau kommen können. Denn allzu oft verhinderten Weizenkrankheiten, wie der über das Saatgut übertragene Weizenflugbrand ein Inverkehrbringen von Saatgut. Denn schon drei flugbrandkranke Ähren führen zur Aberkennung von Saatgut. Um das Problem der saatgutübertragbaren Krankheiten zu bearbeiten, die im ökologischen Landbau und der ökologischen Saatgutwirtschaft durch den Verzicht auf chemische Beizmittel wieder zum Problem geworden sind oder werden können, wird mit erheblichem Aufwand an resistenten Sorten gearbeitet. Dies setzt viele Vorarbeiten voraus, wie etwa die Prüfung von Weizensorten auf Anfälligkeit, um für Kreuzungen die richtigen Eltern finden zu können. Dieses Beispiel zeigt, es sind auch Fragestellungen zu bearbeiten, die eigentlich Grundlagenforschung sind. Sie machen die Getreidezüchtung Darzau zur Getreidezüchtungsforschung Darzau. Die bearbeiteten Fragen gehen dabei oft über das reine Züchten hinaus. So stellt sich weitergehend die Frage, wie auch der Anbau selbst optimiert werden kann. Mit Aussaattermin und Aussaatstärke stehen dem Landwirt weitere Instrumentarien zur Verfügung, um seinen Anbau zu optimieren. Diese Fragestellungen wurden in einem Saatzeitversuch untersucht.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass wir unsere Aufgaben nicht nur in der Entwicklung neuer Weizensorten sehen, sondern im ganz umfassenden Sinne die Grundlagen zu schaffen versuchen, die einen ökologischen Winterweizenanbau auf diesen Standorten verbessern können.
Verschiedene Ergebnisse zum Winterweizen aus der Forschungs- und Züchtungsarbeit der Getreidezüchtungsforschung Darzau möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Zuletzt aktualisiert : 05.12.2012

Zum Weizenflugbrand (Ustilago tritici) - beachtenswert für eine ökologische Saatgutvermehrung.

Erscheinungsbild und Infektionsverlauf
Der Flugbrand des Weizens (Ustilago tritici; siehe Abb.) ist eine saatgutübertragbare Krankheit. Er durchläuft im Jahr einen Vermehrungszyklus (monozyklisch). Flugbrandinfizierte Pflanzen entwickeln sich zunächst unauffällig und sind äußerst schwer durch Wachstumshemmungen, chlorotischen Streifen an den Blättern oder eingerollten Blättern von gesunden Pflanzen zu unterscheiden. Erst mit dem Ährenschieben zeigt sich die kranke Ähre mit einer schwarzbraunen Sporenmasse, die durch Wind und Regen bis zu 150m verbreitet wird (Fischer et al. 2002). Als günstigste Zeit für die Infektion wird der zweite bis fünfte Tag nach Beginn der Blüte angegeben, unmittelbar nach der Bestäubung durch den Weizenpollen (Heinze 1983). Die Infektion erfolgt in die Blüte. Das Pilzmycel wächst entweder durch Narbe und Griffel, oder direkt durch das Pericarp (Fruchtknotenhaut) zum sich entwickelnden Korn. Es befällt das reifende Korn und überdauert dort im Embryo bis zur Aussaat. Nach der Aussaat im Herbst beginnt der Pilz mit der Pflanze mitzuwachsen und bildet im Frühjahr die Ähren zu einem Brandsporenlager um. Die Brandsporenlager reißen bereits kurz nach dem Ährenschieben auf und die Sporen verbreiten sich innerhalb weniger Tage auf die Blüte gesunder Ähren. Am Weizen auftretende Formen sind vermutlich auf alle anderen Arten der Gattung Triticum übertragbar.

Hintergrund für die Beachtung dieser Krankheit
Für die Anerkennung von Feldbeständen für die Saatguterzeugung dürfen nicht mehr als drei (Basissaatgut) bzw. fünf Ähren (Z-Saatgut) auf einer Fläche von 150m² mit Flugbrand befallen sein. Derzeit ist nur die Erzeugung von Z-Saatgut unter ökologischen Bedingungen obligatorisch. In der davor stattfindenden Basissaatguterzeugung kann auf konventionell bewirtschafteten Flächen eine chemisch-synthetische Saatgutbeizung vorgenommen werden. Seit Einführung chemischer Beizverfahren in der Landwirtschaft wurde die Beachtung der Sortenanfälligkeit gegenüber saatgutübertragbaren Krankheiten vernachlässigt. Mit einer Zunahme der Vermehrungsgenerationen unter ökologischen Anbaubedingungen oder gar der ökologischen Züchtung steigt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser Krankheit, da auf chemische Beizungen verzichtet wird. Bisher liegen für den ökologischen Landbau noch keine ausreichend wirksamen Behandlungsmöglichkeiten vor, mit denen ein Flugbrandbefall unter die obengenannte Schwelle für die Saatgutanerkennung reduziert werden kann. Es werden zwar verschiedene Verfahren erprobt, doch zeigen diese bisher entweder keine zufriedenstellende Wirkung, oder sie sind für die Praxis unter arbeitstechnischen Gesichtspunkten zu aufwendig. Durch die Überdauerung im Inneren des Getreidekorns ist der Flugbranderreger besonders geschützt. Anders als beim Steinbrand (Tilletia caries), dessen Sporen dem Getreidekorn äußerlich anhaften, kann Flugbrand mit äußerlich wirksamen Behandlungsmethoden daher nicht erreicht werden. Lediglich mit einer Warmwasserbeize konnten zwar hohe Wirkungsgrade erzielt werden (Winter et al. 1998), aber noch nicht ausreichend zuverlässig. Daneben besteht aber prinzipiell die Möglichkeit der Züchtung von flugbrandresistenten Winterweizensorten. Da Flugbrand in der Sortenzulassung durch das Bundessortenamt bisher nicht berücksichtigt wird, und seine Bedeutung erst mit der Bedeutung des ökologischen Landbaus wächst, lagen bislang noch keine Informationen über die Anfälligkeit zugelassener Winterweizensorten vor. Die Kenntnis hinsichtlich der Anfälligkeit wäre allerdings Ausgangspunkt für eine entsprechende Sortenwahl und die weitere züchterische Bearbeitung von Winterweizen für den ökologischen Landbau. In der Getreidezüchtungsforschung Darzau wurde deshalb damit begonnen, im Handel erhältliche Winterweizensorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber unserem lokalen Flugbrand zu testen.

Sortenprüfungsergebnisse von Winterweizen der Qualitätsgruppen E, A und B hinsichtlich Flugbrandanfälligkeit in der Getreidezüchtungsforschung Darzau


Aufgabenstellung
In diesem Forschungsprojekt wurden alle im Handel verfügbaren Winterweizensorten der Qualitätsgruppen E, A und B und einige andere hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber Weizenflugbrand (Ustilago tritici) evaluiert. Durch diese Evaluierung sollen Informationen gewonnen werden, die eine Sortenauswahl im ökologischen Landbau unter dem Blickwinkel fortgesetzter Vermehrung unter ökologischen Anbaubedingungen unterstützen. Des Weiteren soll die Ausbreitungsgefahr im Vermehrungsanbau besser eingeschätzt werden können und Züchter auf das Resistenzpotential der bereits im Anbau befindlichen Sorten aufmerksam gemacht werden.

Versuchsaufbau
In der Zeit der Weizenblüte wurden erstmalig in der Vegetationsperiode 2001/02 Winterweizensorten der Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes mit einer Flugbrandsporensuspension (1g Sporen / 100ml Wasser) mittels Injektionsspritze nach dem Verfahren von POEHLMAN (1945) direkt in jede einzelne Blüte inokuliert. Diese Arbeiten wurden im nächsten Jahr weitergeführt. Anfangs wurden jeweils drei, inzwischen nur noch zwei Ähren pro Sorte 1-3 Tage nach der Blüte infiziert. Die infizierten Ähren wurden nach der Abreife von Hand geerntet, einzeln mit dem Ährendrescher gedroschen und wieder ausgesät. Im Sommer 2003 konnte der Befall erstmalig beurteilt werden.

Ergebnisse
Da insbesondere die Pflanzen aus flugbrandinfizierten Ähren den Winter nicht immer optimal überleben, kann bei manchen Sorten nicht völlig sicher gesagt werden, ob aller Wahrscheinlichkeit nach eine Resistenz vorliegt, oder aber die mit Flugbrand befallenen Pflanzen von der Auswinterung bevorzugt betroffen werden. Deutlich sicherere Aussagen sind daher nur zu den Sorten möglich, die sich für Flugbrand anfällig zeigten, und zu solchen die  über drei Jahre befallsfrei blieben. Angaben zu Sorten mit allzu unsicherem Ergebnis wurden in die nachfolgende Liste nicht aufgenommen. Ferner muss bemerkt werden, dass ein Befall nach künstlicher Infektion nicht zwingend einen potentiellen Befall unter natürlichen Bedingungen erwarten lässt. Denn geschlossen blühende (cleistogame) Sorten werden aufgrund eines Befalls nach künstlich induziertem Flugbrand in ihrer Anfälligkeit überbewertet. Diese Sorten wären zwar nicht als resistent, aber als deutlich weniger befallsgefährdet anzusehen, sofern die Witterungsbedingungen nicht doch eine Offenblütigkeit begünstigen. Diese Anfälligkeit unter natürlichen Befallsbedingungen könnte nur ermittelt werden, indem flugbrandkranke Pflanzen direkt neben noch gesunden angebaut werden. Durch Begutachtung der auf diese Weise natürlich infizierten Kontrolle im Folgejahr könnte dann der Befall mit Flugbrand unter natürlichen Infektionsbedingungen erfasst werden. Dieser Test war im Rahmen der bisherigen Untersuchungen noch nicht durchführbar.

Bei Untersuchungen von Hobart (2007) zeigte der in der Getreidezüchtungsforschung Darzau verwendete Flugbrand ein Virulenzspektrum, das mit der Rasse 42 aus den Untersuchungen von Tikomarov (1983) vergleichbar ist.

Von den bisher geprüften Winterweizensorten (siehe nachfolgende Tabelle) waren die meisten Sorten flugbrandanfällig. Aber es konnten eine ganze Reihe von Sorten gefunden werden, die sich gegenüber dem lokalen Flugbrand als resistent erwiesen. Die bisherigen Ergebnisse machen deutlich, dass Flugbrandresistenz in aktuellen Handelssorten gefunden werden kann. Um aber über resistente Sorten für eine kontinuierliche Erhaltung und Vermehrung unter ökologischen Anbaubedingungen verfügen zu können, sollte die Flugbrandresistenz in der Sortenentwicklung stärker berücksichtigt werden.

Liste (PDF) mit Winterweizen (E, A und B = Qualitätsgruppen) im Test auf Anfälligkeit gegenüber einem lokalen Flugbrand nach künstlicher Infektion in die Blüte in der Getreidezüchtungsforschung Darzau; Stand Juni 2008

Literatur:
Fischer, K.; Schön, C.C.; Miedaner, T. 2002: Chancen der Resistenzzüchtung gegen Brandpilze bei Weizen für den ökologischen Pflanzenbau, Stuttgart-Hohenheim: Landessaatzuchtanstalt (Hrsg.)
Heinze, K. 1983. Leitfaden der Schädlingsbekämpfung Band 3 (Schädlinge und Krankheiten im Ackerbau). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart
Hobert, M. 2007: Untersuchungen von Weizensorten sowie Genbankherkünften auf Resistenz gegenüber Weizenflugbrand als Basis zur züchterischen Entwicklung von Genotypen mit Eignung für den ökologischen Landbau. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Abschlussbericht, Projekt 03OE646.
Thikhomirov, V.T. 1983: Genetics of resistance of wheat to loose smut pathogen. Gentika 19(2), 295-303
Winter, W.; Bänziger, I.; Rüegger, A.; Krebs, H. 1998. Weizensaatgut: Praxiserfahrung mit Warmwasserbehandlung. Agrarforschung 5: 125-128

Die ersten grundlegenden Untersuchungen zum Weizenflugbrand in der Getreidezüchtungsforschung Darzau wurden in den Jahren 2002 und 2003 aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert.
Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Die Ergebnisse wurden veröffentlicht unter:
MÜLLER,K.J. 2004: Prüfung der Anfälligkeit aktuell verfügbarer Winterweizen der Qualitätsgruppen E, A und B gegenüber Flugbrand (Ustilago tritici). IN: Landwirtschaftskammer Hannover, Ref. Ökologischer Landbau [Hrsg]: Versuchsergebnisse im Ökologischen Ackerbau in Niedersachsen 2002-2003, 1-13.

Zuletzt aktualisiert : 07.05.2012

Der Einfluß von Saattermin und Saatstärke auf Ertrag und Qualität

Der Winterweizenanbau gerade auf den sandigen Böden ist mit besonderen Unsicherheiten verbunden. Auf diesen Standorten sind nicht nur die Erträge gering, oft wird das von der abnehmenden Hand geforderte Qualitätsniveau nicht erreicht. Der ökologische Landbau ist hier mit der Frage konfrontiert, wie Qualitätsweizen mit den backtechnologisch erforderlichen Qualitäten produziert werden kann. Denn mit den aktuell verfügbaren Handelssorten wird hier dieser Qualitätsstandard oft nicht erreicht.

Ertrag und Qualität können auch über die Wahl des Aussaattermins beeinflusst werden. Im Folgenden möchten wir Ihnen dazu Ergebnisse aus den verschiedenen Saatzeitversuchen vorstellen (siehe auch den Abschlussbericht des vom Land Niedersachsen geförderten zweijährigen Saatzeitversuchs).

Bisherige Erfahrungen

Anbauversuche mit Winterroggen hatten bereits 1992/93 gezeigt, dass ein sehr früher Saattermin zu einer wesentlich besseren Bestandesentwicklung und dementsprechend höheren Erträgen führen kann. Ein Saatzeitversuch mit der Qualitätsweizensorte 'Capo', die aus dem österreichischen Trockengebiet stammt, sowie zwei weiteren Sorten, ergab bereits bei Versuchen in der Vegetation 1994/95 ein mit den Ergebnissen beim Roggen in vieler Hinsicht vergleichbares Bild. Die deutlich besseren Erträge bei Frühsaaten brachten unter ökologischen Anbaubedingungen aber gleichzeitig geringere Feuchtklebergehalte mit sich, so dass die Verwendung als Backgetreide wiederum eingeschränkt wurde. 

Saatzeitversuche 2004-2006 in Köhlingen

Wie lässt sich mit der Wahl des Aussaattermins Ertrag und Qualität von Winterweizen auf leichten Standorten beeinflussen?
Dies war die Frage eines zweijährigen, vom Land Niedersachsen geförderten Versuchs mit sechs Winterweizensorten. Die gleiche Versuchsanlage wurde fünfmal im Abstand von ca. zwei Wochen und in zwei verschiedenen Aussaatstärken gesät. Die erste Aussaat erfolgte Anfang September, die letzte Ende Oktober. Für jede Aussaat wurde separat gepflügt, jeweils kurz vor der Aussaat. Das gleiche Sortensortiment wurde im fast gleichen Versuchsaufbau im darauffolgenden Jahr erneut ausgesät. Gleichwohl die Versuchsstandorte in beiden Jahren in der Gemarkung Köhlingen lagen, unterschieden sich beide Ackerschläge stark. Im ersten Jahr war der Boden lS mit 45 Bodenpunkten, im zweiten Jahr war der Boden ebenfalls lS, aber nur mit 32 Bodenpunkten, einem höheren Sandanteil und auf einer Kuppe gelegen.

  • 1. Aussaattermin am 02.09.2004
  • 2. Aussaattermin am 14.09.2004
  • 3. Aussaattermin am 01.10.2004
  • 4. Aussaattermin am 14.10.2004
  • 5. Aussaattermin am 28.10.2004

Kornerträge

Die frühen Saattermine bildeten in beiden Jahren die jeweils üppigsten Pflanzenbestände. Sie waren schon im Herbst stark bestockt. Die sehr unterschiedlichen Ertragsergebnisse (31,2dt/ha gegenüber 13,7 dt/ha) beider Jahre sind zum einen auf die  unterschiedlichen Bodengüten und zum anderen auf die  sehr unterschiedlichen Witterungsverläufe zurückzuführen. So wurde die gute Pflanzenentwicklung im ersten durch den milden Winter weiter gefördert und führte im Juni zu einem vollständigen Lager der beiden ersten Aussaattermine und zu entsprechenden Ausfällen in den Kornerträgen. Im zweiten Jahr hingegen unter den sehr mageren Bodenbedingungen und dem harten Winter waren ausschließlich die frühen Saattermine überhaupt anbauwürdig. Mit Aussaaten Ende September mit ca.10dt/ha waren die Erträge so gering, dass ein Weizenanbau auf solchen Standorten generell fragwürdig erscheint.

Stroherträge

Auch die Stroherträge waren in beiden Jahren deutlich saatzeitabhängig. Die frühen Termine erzielten jeweils die höchsten Erträge – auch im ersten Jahr, das in den frühen Saatterminen auf Grund der sehr wüchsigen Pflanzenbestände und daraus resultierendem Lager so große Kornverluste verursacht hatte.

Nmin-Dynamik

Für jeden Aussaattermin wurden vier Nmin-Bodenuntersuchungen über 90cm durchgeführt: zwei Wochen nach der Saat, Mitte Dezember, im April zum Wachstumsbeginn und im Mai zum Schossen. Im Vergleich beider Jahre zeigten sich die äußerst großen Nmin-Unterschiede bei den Herbstuntersuchungen. Im Frühjahr waren die Unterschiede nur noch gering. Betrachtet man nur den Oberboden (0-30) waren im Frühjahr noch gerade 20Kg N vorhanden. Und trotzdem wurden so große Unterschiede in den Erträgen erzielt. Die frühen Termine zeigten auch geringere Verlagerungen in tiefere Bodenschichten. Hingegen konnten für die Aussaaten ab Oktober sehr hohe N-min-Gehalte in den tiefen Bodenschichten nachgewiesen werden. Dies deutet auf eine bessere N-Aufnahme durch die gut etablierten Bestände bei früher Aussaat hin.

Nach der Aussaat wurde die Anzahl der Keimlinge erfasst, nach dem Winter die Anzahl der Triebe, und zur Ernte die Anzahl der ährentragenden Halme. Mit diesen Daten konnte im ersten Versuchsjahr eine Entwicklungsbild von der Aussaat bis zur Ernte gewonnen werden. Beeindruckend waren einerseits die hohe Anzahl von Trieben im Frühjahr im Vergleich zur Anzahl der Keimlinge nach der Saat und andererseits die starke Reduktion der Anzahl Halme bis zur Ernte. Es ist insofern verwunderlich, dass Unterschiede in der Aussaatstärke trotzdem noch im Ertrag festgestellt werden konnten. Gleichwohl nicht immer. Die frühen Termine unterschieden sich in der Anzahl Halme zur Ernte nur noch kaum und konnten durch ein leicht höheres TKG und Anzahl Körner pro Ähren die Ertragsbildung soweit kompensieren, dass die unterschiedlichen Aussaatstärken dann keine Rolle mehr spielten. Vor dem Hintergrund des Lagers wäre entsprechend eine Reduktion der Aussaatstärke bei früher Aussaat zu empfehlen. Betrachtet man die Ertragstruktur beider Jahre im Vergleich, zeigte sich, dass die hohen Kornerträge im ersten Jahr vor allem auf die doppelt so hohe Kornanzahl pro Ähre zurückgeführt werden konnte. Die Ausbildung der Ährenanlage im Herbst war bereits durch die geringen N-Bodengehalte nicht optimalen Bedingungen ausgesetzt und durch die Trockenheit vor der Ernte wurden diese Ähren weiter reduziert und führten zu einer notreifeähnlichen Abreife mit einem sehr geringen TKG.

Verarbeitungsqualitäten

Die allgemeingültige Aussaage, dass eine schwache vegetative Entwicklung mit hohen Qualitäten verbunden ist und umgekehrt, eine starke vegetative Entwicklung zwar mit hohen Kornerträgen, gleichzeitig aber auch mit niedrigen Feuchtklebergehalten verbunden ist, konnte auch in diesen Versuchen wieder bestätigt werden. Die Termine mit den höchsten Erträgen erzielten die niedrigsten Qualitäten. Ferner waren hohe Feuchtklebergehalte immer verbunden mit einem weicheren Kleber, zu erkennen im Abfall des Parameters Kleberindex. Das ist auf die verstärkte Bildung der weicheren Gliadin-Eiweiße im Kleber zurückzuführen. Der für die Verarbeitung entscheidende Parameter des Feuchtklebergehalts in %  war in beiden Jahren relativ niedrig. Es zeigte sich eine deutliche Sortenabhängigkeit, wobei keine Sorte die erforderliche Schwelle von 21%Feuchtkleber (Feinschrot) auf jedem Standort zu jedem Termin erreichen konnte. Bezüglich des Feuchtklebergehalts war über beide Jahre das Sortenranking ähnlich. Den jeweils im Feuchtklebergehalt besten Sorten Sandomir und Wenga folgte eine Mittelgruppe Capo, Bussard, Naturastar und Schlusslicht Ludwig. Anders sieht das Bild aus, wenn man den Feuchtkleberertrag betrachtet. Dieser wird durch Multiplikation von Kornertrag und Feuchtklebergehalt errechnet und hier in Kg/ha angegeben. Hier zeigte sich eine deutliche Sortenabhängigkeit. So war im ersten Jahr nur die Sorte Naturastar über allen Terminmittelwerten und die Sorte Sandomir Schlusslicht. Im zweiten Jahr auf dem sehr leichten Standort war die Sorte Sandomir Spitzenreiter, gefolgt von Bussard und  einem Mittelfeld mit den Sorten Naturastar, Capo und Bussard. Die Sorte Wenga ist diesbezüglich nicht zu werten, da sie auf Grund von Keimungsproblemen und einer Schwäche bezüglich Winterhärte sehr geringe Kornerträge, aber sehr hohe Feuchtklebergehalte erzielte. Die Sorte Ludwig erzielte in keinem der beiden Jahre die Schwelle von 21% Feuchtkleber.

Fazit

Die Ergebnisse dieses zweijährigen und einortigen Versuchs geben einen deutlichen Eindruck davon, welche Bedeutung der Wahl des Saatzeitpunkts gerade auf sehr leichten Standorten zukommt. Allein durch die Wahl des Aussaattermins ließen sich in beiden Jahren die Kornerträge um über 70% bzw. 100% steigern oder andersherum betrachtet, um 40% bzw. 50% senken. Hinsichtlich der Ertragsoptimierung kam der Wahl des Saatzeitpunktes vor der Wahl der Sorte und vor der Wahl der Aussaatstärke die größte Bedeutung zu. Der optimale Saatzeitpunkt hängt vor allem vom Standort und dem Witterungsverlauf ab. Die äußerst üppigen Pflanzenbestände im ersten Jahr waren durch den milden Winter noch gefördert worden. Im zweiten Jahr wurden die extremen Standortbedingungen durch den harten und langen Winter in die entgegengesetzte Richtung noch verstärkt. Gleichwohl der Witterungsverlauf nicht beeinflussbar ist, sollten diese möglichen Wechselwirkungen bei der Wahl des Saattermins berücksichtigt werden und als entsprechende Sicherheitszuschläge durch leicht spätere Aussaaten umgesetzt werden. Mit der Güte des Standorts verschiebt sich die Zeitspanne der optimalen Aussaat nach hinten. Auf sehr leichten Böden (32 Bodenpunkte) wie im zweiten Jahr wären demnach Aussaaten  - unter Einbezug der zunehmenden Lagergefahr - zwischen dem 10.September und 20.September zu bevorzugen. Auf mittleren Böden (45 Bodenpunkte) reicht das Zeitfenster für eine optimale Aussaat vom 25. September bis Mitte Oktober. Jeweils früher gesäte Saaten sind lagergefährdet, später gesäte Saaten ertragsgefährdet. Die Wahl des Saattermins als wirkungsvolle Optimierungsmöglichkeit sollte durch den Landwirt mit Bedacht und in Kenntnis der eigenen verschiedenen Ackerschläge eingesetzt werden.

Auch wenn die Ergebnisse einen deutlichen Zusammenhang zwischen Saatzeit und Standort auf der einen Seite, und Ertrag und Qualität auf der anderen Seite aufzeigen, sind die Ergebnisse doch mit Vorbehalt zu lesen. Für eine Absicherung der Ergebnisse müssten ähnliche Versuche an mehreren Standorten und über mehrere Jahre durchgeführt werden.
Die Ergebnisse zeigen ferner, dass nicht in erster Linie die Region, sondern vor allem die Güte und Ertragsleistung jedes einzelnen Ackerschlags bei der Wahl des Saatzeitpunktes entscheidend ist. Damit bleibt der Landwirt in der Verantwortung, die hier aufgezeigten Zusammenhänge auf seine jeweiligen Standortbedingungen anzupassen.

Ein besonderer Dank gilt dem 'Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz' für die Saatzeitversuche in den beiden Vegetationen 2004/05 und 2005/06 und für die Versuche in der Vegetation 1994/95 der Mahle-Stiftung/Stuttgart, dem Rudolf-Steiner-Fonds/Nürnberg und der EDEN-Stiftung/Bad Soden, mit deren Unterstützung die zugrunde liegenden Anbauversuche durchgeführt werden konnten.

Veröffentlichung:
MÜLLER,K.J.(1996): Qualitätsweizenanbau auf leichten Standorten. Zeitschrift Lebendige Erde 2/96, 123-132.

Die Ergebnisse des im Sommer 2006 abgeschlossenen, zweijährigen vom Land Niedersachsen geförderten Saatzeitversuch finden Sie unter Publikationen

Zuletzt aktualisiert : 07.05.2012

Goldblumenweizen ®

Govelino wurde für den ökologischen Anbau auf Standorten mit mittlerer Nährstoffversorgung entwickelt. Unter diesen Bedingungen führt die Bestandesentwicklung im Allgemeinen zu sehr guten Erträgen bei zufriedenstellender Kleberdehnbarkeit und Backqualität. Bei hoher Nährstoffversorgung mit hohen Klebergehalten kann der Kleber sehr weich werden, weshalb nach derzeitigem Kenntnisstand von einem Anbau auf besonders ertragsstarken Standorten abgeraten werden muss.

In Sortenversuchen fiel Govelino durch seine hohe Nährstoffeffizienz bei überdurchschnittlichen Klebergehalten auf. Bemerkenswert war in den Versuchen auch seine hohe Mehlausbeute. Aufgrund seiner geringen Anfälligkeit für Mehltau und Blattseptoria hat Govelino ein lange Zeit grünes Blatt und er ist flugbrandresistent. Auf intensiv bewirtschafteten Standorten trat Gelbrostbefall auf. Gegenüber Ährenfusarien erwies sich Govelino als ausgesprochen widerstandsfähig. Mit seiner Wüchsigkeit kann er Ackerwildkräuter sehr gut beschatten und in der Ausbreitung behindern. Auffällig ist auch die leichte Braunfärbung der Ähren zur Abreife.

Anfragen zu Saatgut von Govelino zur Herbstaussaat richten Sie bitte an Öko-Korn-Nord (Fon: +49-4138-5106-14). Bei Interesse an Saatguterzeugung wenden Sie sich bitte an die Getreidezüchtungsforschung Darzau (Fon: +49-5853-98098-0 / Fax: -29).

Biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte

Bei Demeter-Erzeugnissen unter Verwendung von Govelino darf darauf hingewiesen werden, dass es sich um eine "biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte" handelt. Dies wurde mit Datum vom 03.11.2014 vom Demeter eV bescheinigt.
Mehr zur Zertifizierung biologisch-dynamisch gezüchteter Sorten in den Demeter-Pflanzenzuchtrichtlinien.

Werdegangbeschreibung des Winterweizen "Govelino"

Govelino ist ein ertragsbetonter Winterweizen, der aus der im Jahr 1997 in der Getreidezüchtungsforschung Darzau vorgenommenen Kreuzung der Sorten Goldblume und Pegassos hervorgegangen ist. Die Entwicklung der Sorte erfolgte im Rahmen einer klassischen Stammbaum-Selektion (Pedigree) auf den Flächen der Biobetriebe im Umfeld von Darzau.
Die biologisch-dynamischen Präparate wurden und werden in Züchtung und Erhaltungszüchtung angewandt. Govelino (BSA-Kenn-Nr. WW 4682) wurde am 17.3.2015 vom Bundessortenamt als erster Winterweizen auf Basis der Öko-Wertprüfung zugelassen und hat den EU-Sortenschutz im Eigentum der Ges.f.goethean.Forsch.ev-Getreidezüchtungsforschung Darzau.

Govelino vermittelte bei bisherigen Bildekräfteuntersuchungen eine Aufrichtung zusammen mit ausgeprägter Tatbereitschaft und einer feinen, leicht belebenden Durchlichtung. Zusätzlich strömten kräftiger strahlendes Licht und Wärme in die Glieder. Der Lebensleib war leicht erweitert und angenehm belebt. Kopf und Gestalt waren hell, wach, offen, durchlässig und wahrnehmend.

Die Angaben zur Werdegangbeschreibung wurden von Karl-Josef Müller verfasst.

Zuletzt aktualisiert : 06.03.2016