Der spelzenfreidreschende Winterdinkel Emiliano zeichnet sich durch eine ausgesprochen gute Winterhärte und hohe Bestockungsneigung aus. Gegenüber der neuen Gelbrostrasse 'Warrior' hat sich Emiliano als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Geschätzt wird auch der gleichmässige Feldaufgang bei Verwendung der bereits spelzenfreien Körner.  Die Verarbeitungseigenschaften sind dinkeltypisch mit sehr weichem Kleber. 
Nach dem Drusch liegen die Körner bei Dinkel typischerweise zum weit überwiegenden Teil von Spelzen umhüllt als Fesen vor. Die Fesen werden auch wieder zur Saat verwendet. Beim sogenannten Gerben werden die Spelzen von den Körnern abgetrennt, um konsumfähige Körner zu erhalten, die dann auch vermahlt werden können. Beim Gerben geht die Keimfähigkeit größtenteils verloren. 
Bei Emiliano liegen demgegenüber bereits ca. 70% der Körner nach dem Drusch als ausgedroschene Körner vor. Sie müssen von den bespelzten Körnern mit Sieben und Tischausleser abgetrennt werden und können dann zur Saat, zum Ankeimen, zur Vermahlung oder wie auch immer weiter verwendet werden. Die verbleibenden Fesen mit Körnern müssen wie normaler Dinkel weiterverarbeitet werden, wenn sie nicht einfach wieder als Saatgut im betriebseigenen Nachbau Verwendung finden können.
Emiliano ist dort von Interesse, wo Entspelzungsgeräte fehlen oder wo es auf die Keimfähigkeit der entspelzten Dinkelkörner ankommt oder wenn die üblichen Sorten in der Winterhärte, in der Mehltauanfälligkeit oder Gelbrostresistenz unzureichend sind.

Saatgut

Anfragen zu Saatgut richten Sie bitte an Öko-Korn-Nord (Fon: +49-4138-5106-14, Fax: -20) oder CERESAATEN (Fon: +49-39859-7495). Da die jährlich abgebbare Saatgutmenge aufgrund der Zulassung als Erhaltungssorte aktuell auf 25t begrenzt ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Bestellung und innerbetrieblicher Nachbau. Aber denken Sie dabei bitte daran, dass Züchtung auch dann mit Aufwendungen verbunden ist, wenn mangels Saatguthandel gerade mal keine Lizenz dorthin fliesst. Die Getreidezüchtungsforschung Darzau freut sich dann über eine Förderung im Rahmen der eingesparten Lizenzen (ca.40 Euro/ha).



Hinweis bei Stinkbrandbefall

Alle derzeit im Handel erhältlichen Winterdinkel sind mehr oder weniger stinkbrandanfällig. Der Vorteil von Emiliano besteht darin, dass die bereits ausgedroschenen und keimfähigen Körner einer einfachen Behandlung mit Tillecur (Senfmehl) unterzogen werden können, das als Saatgutbehandlungsmittel im ökologischen Landbau zugelassen ist. Im Unterschied zu Weizen wurden dabei aber Beeinträchtigungen in der Keimfähigkeit festgestellt. Fesen sind demgegenüber jedoch sehr viel schwieriger zu behandeln.

Biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte

Bei Demeter-Erzeugnissen unter Verwendung von Emiliano darf darauf hingewiesen werden, dass es sich um eine "biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte" handelt. Dies wurde mit Datum vom 03.11.2014 vom Demeter eV bescheinigt. Mehr zur Zertifizierung biologisch-dynamisch gezüchteter Sorten in den Demeter-Pflanzenzuchtrichtlinien.

 

 

 

 

Ergänzende Angaben zurWerdegangbeschreibung des Winterdinkel "Emiliano"

Im Sommer 2001 erhielt die Getreidezüchtungsforschung Darzau vom Landwirt Volker Bielenberg aus Ottersberg bei Bremen einen Sack Getreide mit dem Hinweis, dass es sich um einen spelzenfreidreschenden Winterdinkel handelt, den er selbst nicht mehr sortenrein erhalten könne und der hinsichtlich Sortenschutzinhaber und Erhaltungszüchter verwaist sei. Es muss sich ursprünglich um den in den neunziger Jahren in Deutschland zugelassenen Winterdinkel Emilius gehandelt haben, dessen Sortenzulassung vom Bundessortenamt zwangsweise beendet worden war. Ursprünglich entwickelt wurde dieser Sortentyp von Jürgen Reckin bei Eberswalde. In der Getreidezüchtungsforschung Darzau wurde die Probe erst einmal angebaut, dann Einzelähren daraus geerntet und über einen Ährennachkommenschaftsanbau Schritt für Schritt wieder eine homogene Sorte aufgebaut. Dies erfolgte im Rahmen einer klassischen Stammbaum-Selektion (Pedigree) auf den Flächen der Biobetriebe im Umfeld von Darzau. Die biologisch-dynamischen Präparate wurden und werden in Züchtung und Erhaltungszüchtung angewandt.
Die Zulassung als Erhaltungssorte erfolgte am 16.09.2013 unter der BSA-Kenn-Nr. SPW2635.

Die Angaben zur Werdegangbeschreibung wurden von Karl-Josef Müller verfasst.

Zuletzt aktualisiert : 17.01.2016