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Anbauhinweise zum Einkorn

Der biologische Landbau bringt aufgrund seiner standortgebundenen, natürlichen Wirtschaftsweise die besten Voraussetzungen für den Anbau von Einkorn. Aber nicht alle Standorte werden mit gleicher Intensität bewirtschaftet. Dementsprechend bedarf es regional unterschiedlicher Eigenschaften und Sorten. Auf dem derzeitigen Entwicklungsstand ist Einkorn besonders prädestiniert für extensiv bewirtschaftete Standorte. Nur wenige Sorten sind standfest genug, um auf besseren Standorten angebaut zu werden.

In der Getreideforschungsstelle Darzau (35 km südöstlich von Lüneburg) wurden und werden eine Vielzahl von Sorten und Herkünften von Einkorn auf lehmigen Sandböden unter ökologisch Anbaubedingungen miteinander verglichen.

Ein Vergleich mit Dinkel zeigte (s. nächste Abbildung), dass die erste Entwicklung nach der Keimung im Vergleich zu allen anderen Wintergetreiden beim Einkorn schwächer verläuft. Dies macht sich aber erst im Frühjahr deutlicher bemerkbar, wenn beispielsweise Dinkel dem Einkorn regelrecht davon wächst. 

Dinkel (links, größer) in Relation zu Einkorn im Frühjahr nach früher Herbstaussaat

Um beste Voraussetzungen für die Frühjahrsentwicklung zu schaffen, sollte die Aussaat im Herbst insbesondere auf den leichten Standorten Anfang bis Mitte September vorgenommen werden. Auf Standorten mittlerer Güte mit hohem Ackerwildkrautaufkommen bei feuchteren Witternugsverhältnissen haben sich Aussaaten bis Mitte Oktober bewährt. Der Vernalisationsbedarf (ein zur Blütenbildung anregender länger andauernder Kältereiz) ist von Sorte zu Sorte verschieden. Viele Sorten kommen auch bei Frühjahrsaussaat zur Reife; allerdings drei Wochen später als Hafer. Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist der Anbau als Sommergetreide aber noch wesentlich schwieriger und nur wenige Landwirte bezeichneten den Frühjahrsanbau als erfolgreich. Ein für härtere Winter erforderlicher flacher Vorwinterwuchs in Verbindung mit dunkelgrünen Blättern fand sich nur bei wenigen Herkünften. Im Gegensatz hierzu sind Pflanzen mit aufrechtem Wuchs im Vorwinter kälteempfindlicher. Für besonders kälteexponierte Lagen sollten nähere Informationen über die in Frage kommenden Einkornsorten eingeholt werden. Die in Darzau entwickelten Sorten zeigten bisher immer eine sehr gute Winterhärte.

Einkorn links hellgrün, rechts dunkelgrün (winterhärtere Sorte) im Frühjahr

Aufgrund der schwachen Wüchsigkeit im Frühjahr ist auch die Beschattung des Bodens bzw. der Ackerwildkräuter weniger ausgeprägt. Im Vergleich zum Dinkel ist Einkorn zum Ende der Bestockung nur in etwa halb so hoch. Erst nach dem Ährenschieben werden Bestandeshöhen erzielt, die 20-40cm über konventionellen Weizensorten liegen. Dies bringt allerdings eine höhere Lagerneigung mit sich und erfordert die Wahl von Standorten, die ein eher karges Wachstum erwarten lassen.

Einkornfeld Mitte Juni im leuchtenden Grün

Das zu einem hellen Grün neigende Farberscheinungsbild des Sprosses tritt vom Frühjahr an mit zunehmender Vegetation immer deutlicher in Erscheinung. Zum Zeitpunkt des Ährenschiebens ist ein Einkornfeld schon von weitem an seinem leuchtenden Farbton zu erkennen. 

Mähdruschernte von Einkornversuchsparzellen Ende Juli

Es gibt einige besonders frühreife Einkornsorten, die in etwa zur gleichen Zeit mit Weizen und Dinkel die Ähren herausschieben. Bei den meisten Sorten ist das Ährenschieben aber bis zu 10 Tage später. Dies sind oft auch die ertragreicheren Sorten. Dementsprechend kann die Ernte des Einkorns erst deutlich später erfolgen. Und weil die Grannen außerordentlich zäh sind, muss mit der Ernte abgewartet werden bis die Grannenbrüchigkeit zufriedenstellend ist, so dass es nicht zu Verstopfungen im Mähdrescher kommt, weil die Grannen ineinander verhaken. Andererseits darf mit der Ernte auch nicht zu lange gewartet werden, damit infolge einer mehr oder weniger vorhandenen Spindelbrüchigkeit keine größeren Verluste durch Abbrechen von Ährenteilen vor der Ernte eintreten.

Nach einer langen Bestockungsphase können sich sehr hohe Bestandesdichten von bis zu 600 Ähren pro m² ergeben. Die Anzahl Körner pro Ähre bleibt verhältnismäßig gering, liegt aber nur knapp unter derjenigen des Dinkels, jedoch sind die Körner erheblich kleiner als bei Dinkel.

Ausschlaggebend für hohe Erträge ist die Anzahl Körner pro Ähre und die Korngewichte. Hohe Erträge konnten mit den sehr stark bestockenden Formen nicht erreicht werden. Dennoch ist die Bestockung nicht zu vernachlässigen, damit ein ausreichend dichter Bestand erreicht wird. Der Ertrag vieler untersuchter Einkornmuster lag auf den sandigen Böden bei 12-21dt/ha (Kerne ohne Spelz). Im Vergleich dazu konnte mit Dinkel unter denselben Bedingung ein Kernertrag von 23-34dt/ha und mit dem Weizen 'Bussard' ein Ertrag von 37dt/ha erzielt werden (Alle Angaben nach Abzug von Spelzen und aus dem Versuchsanbau 1999 in Darzau. Derzeit finden neue Sortenversuche an verschiedenen Standorten in Deutschland mit vielen neuen Sorten statt.) 

Einkorn im Spelz nach dem Drusch (links) und entspelzt als Marktware (rechts)

Wenn auf leichten Standorten eine sehr frühe Aussaat angestrebt wird, dann sollte mit einem höheren Ackerwildkrautaufkommen gerechnet werden. Um unter ökologischen Anbaubedingungen allerdings im Frühjahr oder sogar vor dem Winter noch eingreifen zu können, sollten Reihenweiten von 20-25cm gewählt werden, ausgerichtet auf ein zur Verfügung stehendes Reihenhackgerät, so dass durch eine Maschinenhacke die Beikräuter reguliert werden können.

Zuletzt aktualisiert : 07.12.2007